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Belehrungen von Archibald Reiss

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Die Serben in ihrem Spiegel  - Belehrungen von Archibald Reiss

Archibald Reiss, ein bewährter Freund der Serben, hinterliess vor sieben Jahrzehnten sein politisches Testament unter dem Titel „Serben, hört her". Die Mitteilungen von damals sind auch heute noch sehr aktuell.

Seit die aktuellen Missverständnisse mit der Welt andauern, konnte man oft hören: Jetzt wäre uns ein weiterer Archibald Reiss willkommen! Doch einen zweiten Reiss haben wir nicht bekommen. Nachdem er 1914 auf Einladung der serbischen Regierung angereist war, galt er als einzigartig, und dies ist er bis heute geblieben. Aufgrund seiner Verdienste um das serbische Volk entstand das Sprichwort: Falls je die Schweiz Serbien angreifen sollte, so würde man dies im Voraus entschuldigen – wegen Reiss.

Aber was bewirkte Reiss eigentlich? Er informierte als Erster die Welt darüber, welche Verbrechen die Armee von Österreich-Ungarn in Mačva und Podrinje an der unschuldigen serbischen Zivilbevölkerung begangen hatte. In dieser Brigade war bekanntlich als Soldat im Dienst auch Josip Broz Tito.

Seit dem Tag, als er in Serbien ankam, war Archibald Reiss ein öffentlicher und neutraler Abgesandter der serbischen Regierung und Armee, was er auch bis zum Ende seiner Mission geblieben ist. Das einzige Abweichen von der vollkommenen Neutralität war, dass sich Reiss offen als Freiwilliger der serbischen Armee bekannt hatte, wie er es auch später beschrieb: „Schweizerischer Freiwilliger der serbischen Armee, ein Freund der grossartigen Kämpfer von Šumadija, Donau, Morava, Timok und Vardar.“ Während seiner Recherchen über die Verbrechen, welche die Soldaten und Offiziere von Österreich-Ungarn begangen hatten, war Reiss nicht mit den Aussagen und Verhören der österreichischen Gefangenen zufrieden, sondern er untersuchte auch an Ort und Stelle die Gräber, Leichen und Verwundeten, besuchte die bombardierten Orte und trat niemals von seinem Schwur zurück, allein der Wahrheit und Gerechtigkeit zu dienen.

Als Kriegsreporter publizierte er Artikel in angesehenen europäischen Zeitschriften mit grosser Auflage über die genannten Geschehnisse und ermöglichte dadurch das Durchbrechen (auch damals) der Informationsblockade in der Welt über Serbien und das Durchdringen der Wahrheit über das Leiden des serbischen Volkes. Dieses Engagement auf der Seite der serbischen Wahrheit und der Entente brachte ihn in Verlegenheit und es kam zu Drohungen seitens der zentralen Mächte, sogar vonseiten der neutralen Schweiz.

Reiss zog mit der serbischen Armee über Albanien nach Serbien zurück, aber er hinterliess in seinen Berichten davon keine Spur, mit der Absicht, über diese furchtbaren Ereignisse später ein Buch zu schreiben.

Seine Wahrheitsliebe und Leidenschaft für die serbischen Belange äusserte Reiss im unmittelbaren Engagement für den Empfang und die Versorgung der serbischen Flüchtlinge. Gleichzeitig informierte er die Welt über das Leid und die Qual der serbischen Bevölkerung und Armee. Seine begonnene Rolle führte er auch an der Saloniki-Front weiter: Unermüdlich besuchte er die serbischen Truppen, ging zu den gefährlichsten und wichtigsten Kriegsschauplätze und sandte von dort aus Briefe und Berichte in die Welt.

Das Kriegsende bedeutete für Reiss nicht zugleich auch das Ende seiner Mission in Serbien und an der Saloniki-Front, denn er wollte Zeuge und aktiver Beteiligter des Neuaufbaus im vernichteten Serbien sein. Er engagierte sich im Aussenministerium, Abteilung für das Dokumentieren der Kriegsverbrechen, und im Innenministerium, wo er eine Polizeischule gründete. Bald darauf quittierte er allerdings den Dienst für die serbische Polizei, denn als Ausländer war es ihm nicht erlaubt, die serbische Polizei zu leiten. Seinen Enthusiasmus wollte er nicht in die bürokratische Administration einbringen, und so nahm er die Arbeit als Sachverständiger für Geldfälschung bei der Volksbank in Belgrad auf.

Nach fast eineinhalb Jahrzehnten des Aufenthaltes in Serbien verfasste er sein politisches Testament mit dem Titel: „Serben, hört her!“ Dieser einzigartige Appell und zugleich das Bekenntnis der Verzweiflung des enttäuschten Reiss, genau vor sieben Jahrzehnten geschrieben – am 1. Juni 1928 –, durfte auf seinen Verlangen hin erst nach seinem Tod veröffentlicht werden. Dank des Museums für Geschichte in Serbien und der Zeitschrift für Kinder „Dečje Novine“ ist dieses Schreiben jetzt auch einer breiten Leserschaft zugänglich. Obwohl dieses politische Testament vor langer Zeit geschrieben wurde, scheint es bei einigen Absätzen so aktuell, als ob es erst kürzlich zusammengefasst worden wäre. Durch das Anführen von Tugenden, besonders von Tadeln, ist zu erkennen, wie gut Reiss die Serben kannte und wie sehr er sie mochte.

Archibald Reiss (Hechtsberg, Baden, 8. Juli 1875 – Belgrad, 8. August 1829)

SERBEN, HÖRT HER!

[1. Juni 1928]

„Ich war mit euch, als ihr in grosser Not wart. Ich habe mit euch das Leid geteilt, und um dies zu vollbringen, habe ich ein hervorragendes Leben und eine sehr schöne, viel versprechende Karriere geopfert. Ich habe euch lieb gewonnen, da ich in der Tat eure Leute aus dem Volk in Schlachten und in entscheidenden Augenblicken gesehen habe, in denen man den wirklichen Charakter einer Nation erkennen kann. Ich habe euch lieb gewonnen, weil ich mich für euch geopfert habe, denn die Bindung an Menschen und Sachen ist stärker, wenn diese Bindung mit einem Opfer bezahlt wird.

Ich habe aber auch Tadel gesehen, Tadel, die sich schrecklich nach dem Krieg geäussert haben. Einige Tadel, falls ihr sie nicht beseitigt, werden verheerend für die Nation sein. Ich wäre kein Freund, wenn ich nicht sagen würde: ‚Passt auf euch auf’, und wenn ich nicht, nebst den Tugenden, die wahrhaft schön sind, auf eure schlechten Seiten hinweisen würde.

Euer Land hatte eine sehr schöne Vergangenheit, bevor lange, unglückliche Jahrhunderte folgten. Nach der Gründung des Kaiserreiches – wenn man betrachtet, was davon übrig geblieben ist – versprach es sehr viel und war sehr fortschrittlich wie die meisten westlichen Kaiser- und Königreiche. Danach seid ihr unter die türkische Übermacht und anschliessend auch unter die Knechtschaft der Türken geraten.

Doch trotz allem Unheil haben einige von euren Landsleuten versucht, dieser Lage zu entkommen, und nahmen den Glauben des Islam an. Der grösste Teil eurer Vorfahren ist, trotz andauerndem Leid, allerdings dem alten Glauben treu geblieben und wollte sich nicht den herzlosen Fremden beugen.

Eure Nation ist tapfer und diese Tapferkeit reicht oft bis zum Heldentum. Dies kann ich mit Recht sagen, denn ich habe in fast allen Schlachten des grossen Freiheitskampfes eure Soldaten betrachtet und diese waren nichts anderes als das Volk selbst.

Eure Nation ist patriotisch. Ich kenne kein einziges Volk, in welchem die legendären Nationalhelden so stark in der nationalen Seele leben wie bei euch.

Ihr habt eure Religion in eine Volkskirche umgewandelt, besser gesagt in eine Volkstradition. Doch seid ihr aber nicht religiös. Ihr konntet Gott nicht der Bibel nach anerkennen, ihr habt ihn in ein ewiges und allmächtiges Oberhaupt eures Volkes umgewandelt. Könnte ich hier einen trivialen Begriff verwenden, so würde ich gerne sagen, dass euer ‚Gott’ den Schild und den Bart des epischen Helden ‚Kraljević Marko’ trägt.

Eure Nation ist gastfreundlich.

Eure Nation ist demokratisch, und zwar wahrhaft demokratisch, und nicht vom politischen Aspekt aus betrachtet. In eurem Volk werden bei einem Menschen die menschlichen Werte geachtet und nicht das, was Kleider und Titel aus ihm machen. Eure Nation kennt Mitleid, und dieses wird in Augenblicken gezeigt, in denen man nicht erwartet, einer so schönen menschlichen Eigenschaft zu begegnen. Eure Nation ist stolz, aber nicht boshaft. Und schliesslich seid ihr ein klar denkendes Volk, eines der am klarsten denkenden Völker, das ich je in meinem Leben gesehen habe.

Sehen wir uns nun die Tadel eures Volkes an.

Ihr seid keine grossen Arbeiter. Oft verschiebt ihr die Arbeit auf morgen, sogar auf übermorgen, anstatt sie heute zu erledigen. Die Folge ist, dass die Arbeit oft nie erledigt wird. Wie viel persönliche, oder noch schlimmer, wie viel Verluste zulasten des ganzen Landes habt ihr wegen dieser Nichtstuerei erleiden müssen.  Doch muss man sagen, dass dieser Mangel an Arbeitsenergie auf zwei Arten zu erklären ist. Einerseits hatte während der türkischen Unterdrückung auch die schwerste Arbeit wenig genutzt. Diese Arbeit hatte nur den Unterdrücker noch reicher gemacht. Durch die Jahrhunderte habt ihr euch daran gewöhnt, nur so viel zu arbeiten, wie gerade nötig ist. Und anderseits ist euer Land sehr fruchtbar. Mit wenig Arbeit habt ihr alles, was ihr zum Leben braucht.

Eine der Tugenden, die bei vielen von euch verschwunden ist, ist die Dankbarkeit.

Ihr seid furchtbar undankbar geworden. Einige von euch sind sehr reich und verbrauchen unbarmherzig ihr Geld für Vergnügungen oder um sich selbst hervorzuheben, aber wenn sie Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die sich geopfert haben, zeigen sollen, geben sie nichts aus, und zwar überhaupt nichts. Eure Führer haben, obwohl schon zehn Jahre seit Kriegsende vergangen sind, noch nicht ein einziges Mal der glorreichen Ereignisse feierlich gedacht, denen ihr die Freiheit und Grösse eures Landes verdankt.  Es ist klar, dass solche Festlichkeiten der Mehrzahl eurer derzeitigen Führer unangenehm erscheinen würden, da sie, während das Land sich in tödlicher Gefahr befand und man sich opfern musste, nichts für das Land getan haben, sondern nur dafür sorgten, ihre ach so wichtigen Persönlichkeiten in Sicherheit zu bringen. Einige nutzten das Unheil ihres Vaterlandes sogar, um sich zu bereichern.

Was habt ihr für eure Kriegsinvaliden getan? Von allen Ländern, die am Krieg teilgenommen haben, habt ihr euch am schlechtesten gegenüber ihnen benommen. Während Hunderte eurer ehemaligen Minister, egoistische Berufspolitiker, welche in vielen Fällen nichts für ihr Vaterland getan haben, sondern im Gegenteil reichlich ihre Taschen gefüllt haben, die Auszahlung von ‚Renten’ veranlassten, welche euch ungezählte Millionen kosten, müssen eure Invaliden Hungers sterben.

Euer Mensch aus dem Volk, der Bauer, der von den Berufspolitikern nicht verdorben wurde, ist nicht bestechlich. Eine ‚Intelligenzia’ besteht bei euch ohne Zweifel, und zwar vom niedrigsten Beamten ohne Diplom bis zum Minister. Die ‚Intelligenzia’ Serbiens hat aber  nichts für ihr Land getan –  ihre einzige Sorge war es, ihre edlen Mitglieder in Sicherheit zu bringen.

Ins Vaterland zurückkehrend, nach dem Sieg in einem Krieg, an welchem sie nicht teilnahmen, waren eure Intellektuellen darauf erpicht, alle staatlichen Angelegenheiten zu verwalten. Die Bauern haben ihnen nichts bedeutet, obwohl sie in Serbien die Mehrheit bildeten, und die Soldaten, die den Sieg errangen, waren für sie die ‚einfachen’ Menschen, die nur dazu dienten, den Feind zu schlagen oder zu fallen, und für nichts anderes.

Genau wie andere unmoralische Geschöpfe bewundert auch die Oberschicht die Macht, sogar dann, wenn sie missbraucht wird. Dies führte dazu, dass sich die Intellektuellen gleich nach dem Krieg mit den schlimmsten Feinden ihres Landes versöhnt haben, mit den Deutschen.

Anstatt Positives zu bewirken, hat eure Regierung Negatives bewirkt. Anstatt aufzubauen, baute sie ab. Sie ist das Epizentrum der Fäulnis und der Unmoral, weswegen ihr so viel leiden musstet. Falls ihr diesen Zustand weiter so belasst, wird euer Land verloren sein.

Eure Nation ist ein grosser Bewunderer der politischen oder besser gesagt der Parteiführer.

Durch die immer stärker werdende Macht der ‚Intelligenzia’ tauchen Menschen auf, die es verstanden haben, wie man durch eure Neigung für Parteipolitik persönliche Interessen befriedigen kann. Sie erschaffen Berufe, weil sie eure Neigung zur Parteipolitik ausnutzen, sodass ihr jetzt Politiker habt, die damit ihr Leben verdienen können. Was rede ich da! – Sie raffen ganze Reichtümer zusammen.

So haben Politiker euer Land verdorben.

Die Berufspolitiker rotten üblicherweise zuerst die Tugenden des serbischen Volkes aus. Und unglücklicherweise sind eure Politiker allmächtig. Die Politik mischt sich überall ein und verwaltet alles. Sobald eine Stelle in der Regierung frei wird, egal ob wichtig oder halbwichtig, trifft man die Wahl nicht aufgrund der Verdienste eines Kandidaten, sondern aufgrund seiner politischen Verbindungen. Er kann auch der grösste Nichtswisser oder der ehrenloseste Mensch sein: Wenn er ein Günstling der politischen Partei ist, welche gerade regiert, dann wird er auch den Konkurrenten mit der besten Qualifikation in fachlicher und moralischer Hinsicht aus dem Rennen schicken.

Eure Funktionäre sind in der Regel von der schlechtesten Qualität. Oft sind sie nicht einmal fähig, diejenigen Arbeiten zu erledigen, für die sie in der besetzten Position zuständig sind.

Ich kenne eure Polizei besonders gut, da ich, zum eigenen Unglück, eine Zeitlang mit ihr zusammengearbeitet habe. In der Polizei haben eure Politiker Menschen angestellt, die wegen Diebstahls und anderen Untaten vorbestraft waren. Eure Polizisten, besonders in Südserbien, haben geplündert und dem Volk das Geld weggenommen. Das habe ich euren Behörden angezeigt, aber diese Polizisten! – Diese Verbrecher waren zugleich auch Parteimitglieder und wurden nicht bestraft, und mich haben sie derart beleidigt, dass ich gezwungen war, zu kündigen.

Wenn sie es bis zur Position eines Ministers schaffen, werden sie so boshaft, dass es fast komisch wirkt.

Eine gefährliche Brise ergreift eure Jugend und löscht die reinigende patriotische Flamme. Für den grössten Teil eurer Jugendlichen besteht der Patriotismus aus einer Art von Neid, der von Hass begleitet ist. Sie sind auf andere Länder neidisch, die reicher und mächtiger sind als ihr eigenes Land es ist, und dieses erniedrigende Gefühl nennen sie dann – verformt, denn sonst doch ein so schöner Begriff – Patriotismus.

Ein zeitgemässer Jugendlicher ist der Meinung, dass es nicht seine Sache ist, das Leben des Staates zu sichern, sondern dass der Staat dazu verpflichtet ist, ihm alles zu besorgen, damit er ein möglichst angenehmes Leben führen kann. Daher auch der Eifer der Jugendlichen um Funktionsstellen. Alle würden gerne Beamte sein, Jungen und Mädchen. Seht her, die Jugend beider Geschlechter weiss es ganz genau, dass es in eurem Land unnötig ist, irgendein Wissen oder irgendwelche Fähigkeiten zu besitzen, um Beamter zu werden; es ist nur erforderlich, dass ein Abgeordneter, Minister oder ein einflussreicher Parteipolitiker ihm Starthilfe gibt und ihn empfiehlt.

Die heutige Jugend wird es euch entschlossen sagen, dass sie keinesfalls fallen möchte, denn dies bringt ihr nichts. Das weiss sie aus Erfahrung und hat es mit eigenen Augen gesehen, dass diejenigen, die sich geopfert haben, ja doch nur den Schuh von hinten kriegen.

Ihr dürft es nicht zulassen, dass eure schöne Seele verdorben wird in diesem Müll, der besonders nach dem Krieg abgelagert wurde. Eine Nation wie eure, die der Jahrhunderte langen Knechtschaft standgehalten hat, die sich über Albanien zurückgezogen hat und die aus ihrem Land vertrieben, aber nicht besiegt wurde, und es schliesslich geschafft hat, als Sieger nach Hause zurückzukehren: Lasst es nicht zu, dass diese Nation von einer Handvoll egoistischer und bestechlicher Politiker, abscheulicher Ausbeuter, verachtenswerter Gauner und verbrecherischer Profiteure und Wucherer geknechtet wird.“

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Ankette

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